Am 6. Oktober 2026 haben die drei Brandenburger Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit den Verbänden der Branche zur ersten Brandenburger Landesverkehrskonferenz eingeladen. Das Motto: „Wachstum auf die Straße bringen – Zeit für faire Rahmenbedingungen im Transportgewerbe“. Ich war vor Ort.
Am Ende der Konferenz stand ein gemeinsames Papier mit acht Forderungen, übergeben an Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach. Getragen wird es von der Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs Potsdam, Cottbus und Ostbrandenburg, vom BGL Berlin-Brandenburg, von der Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg und vom Verband Verkehr und Logistik Berlin und Brandenburg (VVL).
Die Ausgangslage beschreibt das Papier in einem Satz: Steigende Kosten, marode Infrastruktur und zunehmender Wettbewerbsdruck belasten vor allem kleine und mittlere Unternehmen.
Die acht Forderungen im Überblick
- Kosten senken, Wettbewerbsfähigkeit sichernEnergiesteuer auf Diesel schrittweise auf das EU-Mindestniveau absenken, dauerhafte Mautentlastung für emissionsarme Fahrzeuge, Schluss mit der doppelten CO₂-Belastung durch Lkw-Maut und Diesel.
- Infrastruktur ausbauen und sanierenStraßen und Brücken schneller sanieren, wichtige Güterverkehrskorridore zuerst, mehr sichere Lkw-Stellplätze an den Hauptachsen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
- Baustellen besser koordinierenEine zentrale Baustellenkoordination für Brandenburg, verbindlich abgestimmt mit Berlin und den Nachbarländern.
- Schiene stärkenSchnellere Verfahren für den Schienenausbau, mehr Transport über die Schiene, Umschlagterminals und kombinierten Verkehr Straße–Schiene besser nutzen.
- Klimafreundliche Antriebe ermöglichenFörderung von Ladepunkten an Betriebshöfen und Autohöfen, Investitionshilfen für E-Lkw und Wasserstofffahrzeuge im Mittelstand, schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur an Autobahnen durch den Bund.
- Mittelstand stärkenUnternehmensnachfolge mit Förderung und Beratung unterstützen, niedrigschwellige Digitalisierungsprogramme für kleine Transportunternehmen, elektronische Frachtdokumente (eFTI) schneller umsetzen.
- Regeln an die Praxis anpassenBrandenburg soll sich im Bundesrat dafür einsetzen, dass schwere Lkw auf geeigneten Straßen 80 statt 60 km/h fahren dürfen.
- Fairen Wettbewerb durchsetzenDeutlich mehr Kabotagekontrollen durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) und den Zoll, Verstöße wirksam sanktionieren, den Mindestlohn auch gegenüber ausländischen Anbietern durchsetzen.
Eine öffentliche Antwort des Ministeriums auf die einzelnen Punkte lag bei Redaktionsschluss nicht vor.
Drei Zahlen, die hängen bleiben
Werte von den Folien der Konferenz. Quellen laut Folien: IHK-Konjunkturumfrage (Geschäftsrisiken), Nachfolgeberatungen 2024, PwC-Studie zur digitalen Transformation 2025.
Was Betriebe nicht abwarten müssen
Dieselsteuer, Tempo 80 und Brückensanierung liegen bei der Politik. Einiges von dem, was auf der Konferenz zur Sprache kam, lässt sich im eigenen Betrieb aber schon morgen angehen. Vier Punkte, an denen ich ansetzen würde:
1. Kosten: Was Sie selbst in der Hand haben
Den Dieselpreis kann kein Betrieb verhandeln. Rahmenverträge, Konditionen und Abläufe schon. Ein einfacher Test: Schreiben Sie neben Ihre fünf größten Lieferanten und Dienstleister, wann Sie zuletzt ein Vergleichsangebot eingeholt haben. Wo kein Datum steht, laufen oft Konditionen von früher einfach weiter.
2. Nachfolge und Leitung: Nicht auf den letzten Tag warten
Bei 4,1 zu 1 wird nicht jede Übergabe nahtlos gelingen. Ein Gedankenexperiment hilft: Die Leitung fällt ab morgen für drei Monate aus. Wer schreibt die Dienstpläne, wer spricht mit dem größten Kunden, wer entscheidet, wenn es brennt? Wo Sie zögern, liegt die Lücke. Die lässt sich mit Vorlauf schließen, intern oder mit einer Leitung auf Zeit.
3. Digitalisierung: Abläufe vor Software
Elektronische Frachtdokumente kommen, ob schneller oder langsamer. Wer heute noch Papier zwischen Disposition, Lager und Fahrer hin- und herträgt, sollte zuerst die eigenen Abläufe sortieren. Eine Software macht einen unklaren Prozess nicht klarer, nur schneller.
4. Kontrollen: Wenn BALM öfter kommt, dann auch bei Ihnen
Das Gewerbe fordert mehr Kontrollen, und das ist im Sinne fairer Preise richtig. Mehr Kontrollen auf der Straße treffen aber nicht nur ausländische Anbieter. Geprüft wird dabei unter anderem auch die Ladungssicherung. Wer jetzt Unterweisung, Zurrmittel und Verladung in Ordnung bringt, sieht der nächsten Kontrolle gelassen entgegen.
Mein Fazit
Die Konferenz hat gezeigt, dass Kammern und Verbände in Brandenburg mit einer Stimme sprechen. Ob und wann die Forderungen umgesetzt werden, entscheidet die Politik. Wettbewerbsfähig bleibt ein Betrieb in der Zwischenzeit über das, was er selbst steuern kann: Kosten, Führung, Abläufe und Sicherheit.
Wenn Sie wissen wollen, wo Sie bei sich zuerst ansetzen sollten: In einer kostenlosen Ersteinschätzung von 30 Minuten sortieren wir das gemeinsam.
- Forderungspapier „Faire Rahmenbedingungen für die Brandenburger Speditions-, Transport- und Logistikwirtschaft“, 06.10.2026, veröffentlicht über das LogistikNetz Berlin-Brandenburg
- Radio Cottbus, 07.10.2026
- Niederlausitz aktuell, 11.10.2026
- Folien der 1. Brandenburger Landesverkehrskonferenz, 06.10.2026 (eigene Teilnahme)
